Europa beginnt vor Ort: GRin Sade Soyoye im Interview

GRin Sade Soyoye (C) Stadt SPÖ Arne Müseler

Europa wird oft als etwas Fernes wahrgenommen. Tatsächlich beeinflussen viele europäische Entscheidungen ganz unmittelbar unseren Alltag – in den Gemeinden, in den Städten und im täglichen Zusammenleben. Im Magazin „Unser Europa. Unsere Gemeinde“ spricht Salzburgs Europa-Gemeinderätin Sade Soyoye über ihre Motivation, ihre Ziele und darüber, warum Demokratie, Zusammenhalt und europäische Zusammenarbeit gerade auf kommunaler Ebene besonders wichtig sind.

Sade Soyoye: „Europa beginnt dort, wo Menschen ihren Alltag gestalten.“

Das erste Mal wahrgenommen habe ich die EU …

Als Jugendliche war die EU für mich weniger eine Institution als ein Lebensgefühl: ein offenes, modernes Europa mit Möglichkeiten wie „Erasmus+“ oder Interrail. Sie stand für Fortschritt, Austausch und für die Idee, dass Europa ein Friedensprojekt ist.

Ich bin Europa-Gemeinderätin geworden, weil …

… ich aus einer Familie mit Wurzeln auf zwei Kontinenten komme. Brücken zu bauen war für mich deshalb immer naheliegend. Gleichzeitig erlebe ich, wie sehr europäische Entscheidungen unseren Alltag beeinflussen. Gerade in einer Zeit, in der Frauenrechte, Minderheitenrechte und demokratische Errungenschaften unter Druck geraten, ist für mich klar: Diese Werte müssen wir auch lokal schützen.

Als Europa-Gemeinderätin möchte ich Folgendes erreichen:

Ich möchte, dass Europapolitik vor Ort verständlich und greifbar wird. Gemeinden sollen voneinander lernen, gute Ideen schneller übernehmen und europäische Chancen besser nutzen. Mir ist wichtig zu zeigen, dass Europapolitik konkret mit unserem Alltag zu tun hat – mit Zusammenhalt, Gleichstellung, Barrierefreiheit und demokratischer Teilhabe.

Das Schönste an meiner Tätigkeit als Europa-Gemeinderätin ist …

… dass ich täglich zum Austausch beitragen kann: zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, zwischen lokalen Fragen und europäischen Lösungen. Das zeigt, wie lebendig Demokratie wird, wenn Zivilgesellschaft und Politik zusammenwirken. Wenn Menschen merken, dass ihre Fragen Teil einer Lösung sein können, entsteht Interesse statt Distanz.

„Wenn Menschen merken, dass ihre Fragen Teil einer Lösung sein können, entsteht Interesse statt Distanz.“

Europa ist in meiner Gemeinde für die Bürgerinnen und Bürger besonders sichtbar, weil …

… Europa oft viel näher ist, als man denkt. Das zeigt sich nicht nur in großen Debatten, sondern auch bei ganz konkreten Themen wie Wohnen, Barrierefreiheit sowie bei Euregio-Projekten und sozialem Zusammenhalt. Europa ist Teil des Alltags vor Ort.

Wenn ich etwas an der EU verbessern könnte …

… dann würde ich mir mehr Mitsprache für Kommunen, eine stärkere Rolle des Europäischen Parlaments, verständlichere Kommunikation und einen klaren Fokus auf Grund- und Menschenrechte wünschen. Europa muss ein Schutzraum für Demokratie, Gleichstellung sowie Frauen- und Minderheitenrechte sein.

Was bedeutet die EU für Sie persönlich?

Für mich war die EU lange vor allem ein Versprechen: ein modernes, offenes Europa, in dem Grenzen an Bedeutung verlieren. Heute sehen wir, dass Frieden, Demokratie und Offenheit nicht garantiert sind. Russlands Krieg gegen die Ukraine, wachsender Druck auf Grundrechte und der „Backlash“ gegen Frauenrechte in Europa zeigen, wie wichtig es ist, diese Werte aktiv zu verteidigen.

Diesen Tipp möchte ich anderen Europa-Gemeinderätinnen und Europa-Gemeinderäten mitgeben:

Redet darüber, warum Demokratie, Gleichstellung und Solidarität konkret mit unserem Alltag zu tun haben, und nutzt Vernetzungs- und Austauschprogramme! Gerade dadurch lernt man unglaublich viel, was man direkt in die eigene Gemeinde oder Region mitnehmen kann.

 

Zur Person

Sade Soyoye ist Gemeinderätin der Stadt Salzburg und Bereichssprecherin für Jugend, Soziales, Umwelt und Tierschutz, Kinderbetreuung sowie Familie im SPÖ-Gemeinderatsklub. Seit Jänner 2025 engagiert sie sich zudem als Europa-Gemeinderätin und setzt sich dafür ein, europäische Politik auf kommunaler Ebene verständlich und greifbar zu machen. 

Quelle: Dieses Interview wurde in Ausgabe Nr. 01/2026 des Magazins „Unser Europa. Unsere Gemeinde.“ erstveröffentlicht. Medieninhaber, Verleger und Herausgeber des Magazins: Bundeskanzleramt Österreich. Copyright/Foto: Arne Müseler.“ Das Interview wurde für die Veröffentlichung auf der Website typografisch und redaktionell für das Web aufbereitet.

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